Das Wissen ist da. Wo bleibt die Weisheit?
Über das gedeihliche Wachsen junger Menschen
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Wir wissen heute erstaunlich genau, welche Bedingungen das Wachstum junger Menschen fördern – und welche es hemmen. Warum handeln wir dennoch oft wider besseres Wissen? Ausgehend von Aristoteles fragt der Vortrag nach dem Unterschied zwischen Wissen und Weisheit und zeigt, weshalb Wissenschaft Philosophie braucht.
Aristoteles unterschied zwischen Episteme – dem theoretischen Wissen um Gesetzmässigkeiten – und Phronesis – der praktischen Weisheit, Erkenntnis in Handlung lebendig werden zu lassen. Die Bildungsforschung häuft Episteme in beeindruckendem Ausmass an: Wir wissen heute sehr genau, welche Bedingungen Wachstum und Entfaltung junger Menschen begünstigen und welche es hemmen. Doch Wissen bringt sich nicht selbst zur Anwendung. Zwischen dem, was wir wissen, und dem, was wir tun, klafft ein Abgrund – den schon Aristoteles als Akrasia, als Handeln wider besseres Wissen, beschrieb.
Meine provokante These: Unsere Bildungssysteme leiden an kollektiver Akrasia. Es ist nicht das Wissen, das fehlt, sondern der Mut zur Phronesis. In meinem Vortrag frage ich, gestützt auf mehr als 35 Jahre Forschung zu frei sich bildenden Menschen, wie dieser Abgrund überbrückt werden könnte.
Wissenschaft braucht Philosophie, weil Erkenntnis grösser ist als Wissen.












