Ein sichtbarer Impuls für Frauen im Rennsport
Als ich mit meinem Hengst Başkan als Frau in der höchsten Kategorie auf der Rennbahn startete, war dies weit mehr als ein persönlicher sportlicher Schritt. Frauen waren dort zuvor kaum sichtbar. Kurz darauf veränderte sich das Bild: Junge Mädchen und Frauen kamen als Jockeys auf die Rennbahn, Frauen arbeiteten als Hufschmiedinnen, es wurden Rennen speziell für Frauen veranstaltet und schließlich Frauenmeisterschaften ausgetragen.
Auch innerhalb der Organisation der Föderation fanden Frauen zunehmend ihren Platz, unter anderem als Richterinnen bei Rennen.
Für mich zeigt diese Entwicklung, dass ein einzelner Schritt neue Möglichkeiten für viele Menschen eröffnen kann.
Eine andere Form der Rehabilitation
Ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Rehabilitation von Pferden. Körperliche Probleme, mangelnde Balance, falsche Belastung und Verhaltensprobleme entstehen häufig nicht erst durch das Reiten selbst, sondern lange davor – durch Haltung, Ausbildung, fehlende Muskulatur oder eine nicht passende Belastungsverteilung. Mit gezielter Bodenarbeit, Mobilisation, Flexionen und einer schrittweisen gymnastischen Ausbildung möchte ich dem Pferd helfen, seinen Körper wieder sinnvoll zu benutzen. Das Ziel ist nicht, ein Pferd möglichst spektakulär aussehen zu lassen, sondern es so auszubilden, dass es sich langfristig gesund, leicht und selbstständig bewegen kann.
Klassische Prinzipien für eine moderne Zukunft
Meine Ausbildung orientiert sich an klassischen Grundsätzen der Reitkunst und insbesondere an den Prinzipien, die ich durch die Arbeit nach Manuel Jorge de Oliveira vertiefe:
Balance vor Kraft, Verständnis vor Zwang und eine Ausbildung, die den Körper des Pferdes entwickelt, anstatt ihn gegen seine natürlichen Bewegungsmuster zu benutzen.
Diese Gedanken möchte ich besonders in der Ausbildung von Rahvan-Pferden weiterentwickeln und sichtbar machen. Gerade bei Pferden mit besonderen Gangarten ist es wichtig, nicht nur die Leistung zu betrachten, sondern die körperlichen Voraussetzungen dafür zu erhalten.
Was daraus für die Zukunft entstehen kann
Meine Vision geht deshalb über einzelne Pferde und einzelne Reiter hinaus. Ich möchte einen Ort und eine Arbeitsweise schaffen, an denen Zucht, Rehabilitation, klassische Ausbildung und Wissen miteinander verbunden werden.
Rahvan-Pferde sollen nicht nur als Renn- oder Sportpferde gesehen werden, sondern als wertvolles Kulturgut, dessen Zukunft von einer verantwortungsvollen Ausbildung abhängt.
Gleichzeitig möchte ich Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen – und besonders Frauen – zeigen, dass sie in der Pferdewelt Verantwortung übernehmen, Wissen erwerben und selbst zu Veränderung beitragen können.
Langfristig kann daraus ein Beispiel für eine Reiterei entstehen, in der sportliche Leistung und Tierwohl kein Gegensatz sind. Eine Reiterei, in der Rehabilitation nicht erst nach einer Verletzung beginnt, sondern bereits mit der richtigen Ausbildung. Eine Reiterei, in der Frauen selbstverständlich sichtbar sind. Und eine Reiterei, in der der Erfolg nicht nur daran gemessen wird, was ein Mensch vom Pferd verlangen kann, sondern daran, wie gesund, ausgeglichen und selbstständig das Pferd dadurch wird.
Gutes Reiten ist aktiver Tierschutz.
Meine Arbeit verstehe ich deshalb nicht als Selbstzweck. Sie ist ein Beitrag dazu, Wissen weiterzugeben, Pferde gesund zu erhalten, eine bedrohte Pferdekultur zu bewahren und Menschen zu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen. Was heute mit einzelnen Pferden beginnt, kann morgen eine ganze Generation von Reitern, Züchtern, Trainern, Jockeys und Pferdefreunden beeinflussen.



